ACEDIM
veröffentlicht am 12.06.26 von Sara Börner
Die Asociación Centro de Desarrollo Integral de Morazán (ACEDIM, Zentrum für eine ganzheitliche Entwicklung in Morazán) ist eine wichtige Partnerorganisation des Aktionskreises. Seit Beginn unserer Vereinsarbeit sind wir mit dem gemeinnützigen Jugend- und Altenhilfezentrum im Norden von El Salvador auf vielfältige Weise verbunden. Beispielsweise unterstützen wir bei der Öffentlichkeitsarbeit, den Spenden oder den Kontakten zwischen ACEDIM und der Stadt Konstanz. Einige Mitglieder des Aktionskreises haben ACEDIM besucht und manche haben dort auch gearbeitet.
Diese langjährige Zusammenarbeit geht zurück auf den Gründer der Organisation, Rudi Reitinger, der in Konstanz studiert und gearbeitet hat.

Ziele und Zielgruppen
ACEDIM unterstützt mit Bildungs- und Kulturangeboten Menschen in dem abgelegenen und vom salvadorianischen Staat vernachlässigten Department Morazán. Die gemeinnützige Organisation übernimmt Aufgaben in einer Gegend, die von Armut und von den Auswirkungen des Bürgerkriegs der 1980er Jahre geprägt ist.
Die Organisation richtet sich an arme und benachteiligte Menschen aller Altersstufen. Dabei hat ACEDIM nicht nur die intellektuelle und berufliche Entwicklung, sondern auch die körperliche und seelische Gesundheit der Menschen im Blick und bietet entsprechende Maßnahmen an. Den Mitarbeitenden ist eine spirituelle Orientierung wichtig Sie fördern den Zusammenhalt der Gemeinschaft, z.B. durch Feste, öffentliche Veranstaltungen und andere gemeinschaftsstiftende Aktivitäten.
Aktivitäten und Erfolge
- Im Stipendienprojekt für Schüler*innen der Grund- und Sekundarstufe stellt ACEDIM Stipendien für Kinder aus einkommensschwachen Familien zur Verfügung. Ein solches Schülerstipendium umfasst nicht nur das Schulgeld und die notwendigen Utensilien wie Uniform und Schulmaterial, sondern es lädt Kinder auch zu zahlreichen Freizeitaktivitäten ein. Die Eltern werden in die Aktivitäten miteinbezogen, damit auch sie die Entwicklung ihrer Kinder entsprechend unterstützen.
- Im Stipendienprojekt für Universitätsstudierende erhalten Absolvent*innen des Gymnasiums die Möglichkeit zu einem akademischen Studium. Viele von ihnen wurden schon während ihrer Schulzeit durch das Schulstipendium unterstützt. Auch hier begleitet ACEDIM die Studierenden mit Maßnahmen, die über ein reines Stipendium hinausgehen. Dazu zählen z.B. die Unterstützung beim Verfassen wissenschaftlicher Texte, Kurse in Gewaltfreier Kommunikation und Friedlicher Konfliktlösung, Workshops über Geschlechterrollen. Neben ihrem Studium leisten die Studierenden obligatorisch Sozialpraktika in unterschiedlichen Einrichtungen ab und geben so ihrer Gemeinde etwas von dem zurück, was sie über ihr Stipendium erhalten.
Ehemalige Stipendiat*innen, die bereits im Beruf sind, wirken als Alumni: Sie beraten junge Studierende z.B. bei der Berufswahl und -karriere und ermuntern sie, wenn gelegentlich Selbst-Zweifel oder Unsicherheiten entstehen. Die Stipendien werden durch Spenden vorwiegend aus Deutschland finanziert, die Stipendiat*innen berichten ihren Spender*innen halbjährlich über ihre Studien- und persönlichen Fortschritte.
- In einem Bildungsprojekt für Kinder und Jugendliche fördert ACEDIM deren aktive Teilnahme in der Gemeinschaft durch spielerische und kognitive Maßnahmen. Vergleichbar ist dies mit Kinder- und Jugendzentren bei uns.
- In einer Art Volkshochschule bietet ACEDIM Fort- und Weiterbildungskurse für Erwachsene an. Diese dienen einerseits der persönlichen Entwicklung und stärken andererseits den Austausch und den Zusammenhalt in den Gemeinden.
- Im Seniorenzentrum erhalten alte Menschen regelmäßig eine ausgewogene Mahlzeit und Unterstützung bei der Körperpflege. Jeden Werktag gibt es ein Mittagessen, das sich an die Empfehlungen der WHO für altengerechte Ernährung orientiert. Eine bedarfsgerechte Begleitung fördert sowohl das körperliche als auch das psychische Wohlergehen der Senior*innen. Sie beugt der Einsamkeit der alten Menschen vor, von denen viele ihre Kinder im Krieg oder durch Migration in die USA verloren haben.
- Mit dem Projekt Mutter/Kind-Gesundheit trägt ACEDIM zu einer Senkung der hohen Unterernährungs- und Kindersterblichkeitsraten in den Gemeinden bei.
- Eine eigene Bibliothek mit einem umfassenden Bestand an Belletristik und Sachbüchern sowie Zeitschriften steht Schüler*innen, Studierenden und der gesamten Bevölkerung zur Verfügung. Sie ist die einzige Bibliothek weit und breit.
All diese Angebote tragen nicht nur zur persönlichen Stabilität und zum individuellen Wohlbefinden der Menschen im Norden Morazáns bei, sondern ACEDIM fördert auch die Weiterentwicklung der Gemeinden und stärkt den sozialen Zusammenhalt. So konnten z.B. die berüchtigten Jugendbanden, die das Land über Jahre terrorisierten, in der Gemeinde nicht Fuß fassen.
Diese Erfolge sind nur möglich durch die langjährige (oft über 30 jährige) Unterstützung von Spenderinnen und Spendern in Ost- und West-Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nur sie ermöglichen, dass diese Arbeit für die Menschen in Morazán so umfassend und verlässlich geleistet werden kann.
Mitarbeitende
ACEDIM wurde von dem Konstanzer Rudi Reitinger zusammen mit aus dem honduranischen Exil zurückgekehrten Geflüchteten gegründet. Heute arbeiten über 20 Menschen hauptamtlich in der Organisation. Die meisten sind selbst ehemalige Stipendiat*innen, einige kommen von außerhalb.
Für sein außerordentliches Engagement erhielt Rudi Reitinger das Bundesverdienstkreuz am Bande (1995), die Staufer Medaille des Landes Baden-Württemberg (2006) sowie das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse (2024), die höchste Auszeichnung Deutschlands für zivile Personen.
Kontakt
In halbjährlichen Rundbriefen berichten die Mitarbeitenden über ihre Arbeit. Der Rundbrief kann kostenfrei über ACEDIM oder den Aktionskreis bezogen werden.
Wenn Sie direkt mit ACEDIM Kontakt aufnehmen möchten, wenden Sie sich bitte an uns oder nutzen die Webpage: www.acedim.org/