Xetzac

veröffentlicht am 12.06.26 von Sara Börner

Schwester Argelina Marroquín gründete 2014 in Xetzac in Guatemala auf einem Landstück ihrer Kongregation der Schulschwestern des hl. Franziskus (Hermanas Escolares de San Francisco) ein ökologisch-landwirtschaftliches Modellprojekt. Das Projekt will insbesondere die indigene, kleinbäuerliche Bevölkerung in der Gemeinde Sta. Apolonia, Regierungsbezirk Chimaltenango unterstützen.
Zu Schwester Argelina besteht ein jahrzehntelanger vertrauensvoller Kontakt über ein Gründungsmitglied unseres Vereins.
In den 1980er Jahren leitete Schwester Argelina das Kriegswaisenkinderdorf in Sta. Apolonia, das mit Spenden von uns unterstützt wurde. Darüber hinaus engagierte sie sich in der Sozialarbeit mit Kriegswitwen in der Region. Aus dieser Gemeinwesenarbeit entstand die Weberinnengenossenschaft „Tejidos de Guadalupe“ R.L. in San José Poaquil, von der unser Weltladen viele Jahre lang die maya-typischen Handwebartikel bezog. Seit 2015 betreiben die Vorstandsfrauen dieser Kooperative ein Kleinkreditprogramm für alleinstehende indigene Frauen, womit sie ihre verschiedensten kleinunternehmerischen Ideen verwirklichen.

Projektbeschreibung

Bei einem Projekt handelt es sich um einen Modell- und Vorzeigebetrieb für ökologische Landwirtschaft. Die Besonderheit zeigt sich in der Integration der einheimischen Hühnerrasse in den Kreislauf der Landwirtschaft und des Gartenbaus. Dieses Federvieh legt nicht nur gute Eier, sondern setzt auch Fleisch an, sodass es nicht nur als Lege-, sondern auch als Suppenhuhn sehr geschätzt wird. Dieses freilaufende „Landhuhn“ war typisch für den kleinen Bauernhof der indigenen Landbevölkerung. Neue Züchtungen für Legebatterien verdrängen diese Rasse, während kleinbäuerliche Familienbetriebe durch fortschreitenden Landraub und die daraus folgende Verelendung eingehen.

Ökologische Aspekte

Der Einbezug dieser Hühnerrasse in den ökologischen Kreislauf ersetzt Kunstdünger- und Pestizideinsatz, schont die Umwelt, die Menschen und deren Geldbeutel. Durch den Freilauf bei der Nahrungssuche auf immer neu abgestecktem, abgeerntetem Terrain halten die Hühner das Ungeziefer und das unerwünschte grüne Beikraut in Schach – bei gleichzeitiger natürlicher Düngung.
Beim Anbau und der Ernte wird eine schonende Bodenbearbeitung praktiziert, es gibt kein Umpflügen, sondern nur eine oberflächige Bearbeitung. Dadurch wird das Kapillarsystem des Mutterbodens erhalten, das in der Trockenzeit die natürliche Befeuchtung der Wurzeln der Nutzpflanzen gewährt. Dies trägt zur Erhaltung der Bodenfeuchtigkeit bei. Das Verbrennen der abgestorbenen Pflanzenteile ist bei dieser Art von Landbau Tabu, weil dies nicht nur das Mulchmaterial, das Bodenleben und die Mikroorganismen zerstört, sondern auch den Mutterboden verbrennt. Das Mulchmaterial dient sowohl zur Bodenfruchtbarkeit und zur Nahrung der Bodenlebewesen als auch zum Schutz der fruchtbaren Krume vor UV-Strahlung und Erosion durch Windböen und Starkregen.
Gleich zu Beginn des Projekts wurden fruchtbringende Büsche und Bäume gepflanzt: z.B. Holunder, Macadamia-Nuss, Passionsfrucht, Kochbanane. Diese Aufforstung fördert die Verbesserung des Mikroklimas, dient als Windschutz, wirft Schatten und produziert Biomasse zum Mulchen und die Ernte sorgt letztlich für ein Einkommen.

Soziale Aspekte

Durch Schulung, Beratung und praktische Begleitung vor Ort wird den interessierten Menschen vom Hochland Guatemalas nicht nur materiell durch die Schenkung der ersten Charge lege-reifer Hennen unter die Arme gegriffen, sondern ihr Zusammenhalt, das gemeinsame Arbeiten und ihr kollektives Denken gefördert.
Die sichtbaren Erfolge der einzelnen aktiven Gruppen multiplizieren die Idee und vernetzen die Menschen bereits über verschiedene Regionen.
Mit dem Projekt wurden auch Arbeitsstellen geschaffen: Für einen ausgebildeten Agronomen als Leiter zur inhaltlichen Umsetzung der Projektaufgaben und für lokale Arbeitskräfte zur Errichtung der Bauten und Ställe, den Erhalt und die Reinigung, für die Bepflanzung und Ernte, die Versorgung der Hühner, die Vermarktung der Eier etc.

Finanzierung und Ausblick

Ein paar Jahre lang begleitete die guatemaltekische Nichtregierungsorganisation (NRO) „Comunidades de la Tierra“ als geschäftsführende und mitfinanzierende Organisation das Projekt. Diese nutzte die Erfahrungen von Xetzac für ihre „Dorf- und Stadtgartenprojekte“, die sie mit ihren Initiativgruppen im Osten Guatemalas umsetzte. Diese NRO wurde auch von einer mennonitischen Stiftung aus den USA unterstützt, sie zog sich zum Jahreswechsel aber 2025/26 aus Xetzac überraschend zurück, da die Spenden durch die trump´sche Politik deutlich gesunken sind.
Jetzt sind Argelina und ihre Kongregation erneut gefragt, das Projekt in Xetzac erfolgreich am Laufen zu halten.

In den vergangenen Jahren konnten wir dank unserer Spender*innen jeweils ca. 1.000 € an das land- und viehwirtschaftliche Projekt in Xetzac überweisen.