Produkte aus Cuba

veröffentlicht am 28.11.04 von Stefan Freudenberg

Seit dem Sturz des Diktators Batista 1959 hat Cuba sich als erstes lateinamerikanisches Land von neokolonialer Unterdrückung befreit und eine eigenständige soziale Entwicklung erreicht.

Trotz wirtschaftlicher Einschränkungen und Entbehrungen hat die cubanische Bevölkerung immer wieder ihre internationale Solidarität bewiesen. Cubanische ÄrztInnen, LehrerInnen und TechnikerInnen arbeiten in zahlreichen Ländern der sogenannten Dritten Welt. Politisch Verfolgten und Verletzten aus den verschiedensten Ländern gewährte das revolutionäre Cuba Zuflucht; noch jetzt werden Tausende von strahlengeschädigten Kindern aus Tschernobyl medizinisch betreut.

Seit mehr als 40 Jahren ist Cubas Revolution auch von einem Handelsembargo durch die USA bedroht. Dadurch war das Land gezwungen, seinen Außenhandel mehr und mehr mit den realsozialistischen Ländern abzuwickeln, der zuletzt 80% erreicht hatte. So bekam die Bevölkerung Cubas die politischen Umbrüche in Osteuropa äußerst schmerzhaft zu spüren. Von heute auf morgen waren die Hauptwirtschaftsbeziehungen weggebrochen. Cuba war abrupt auf sich allein gestellt. Ständig fallende Weltmarktpreise verschärften noch die wirtschaftliche Lage.

Cuba hat überlebt nicht zuletzt durch die Fexibilität, Kreativität und eben auch schmerzhafte Zugeständnisse an die herrschende Weltwirtschaft. Jedoch die Säulen seiner sozialen Errungenschaften Gesundheit und Bildung werden dennoch keiner Privatisierung ausgesetzt.

Unterstützung ist dringend notwendig, damit Cuba weiterhin seinen eigenen Weg gehen kann!

Mit der Vermarktung cubanischer Produkte, z.B. durch El Puente, einer alternativen Importorganisation in der BRD, bietet sich eine Möglichkeit, Cuba auf dem Weg aus der wirtschaftlichen und politischen Isolation zu unterstützen.

Im Weltladen Konstanz gibt es folgende Produkte aus Cuba: Kaffee Cubita, Orangen- und Grapefruitsaft, Rum, Pfefferminz-Bonbons, Honig

Kaffee Cubita

Cubita ist sortenreiner Hochland-Arabica aus der östlichen Bergregion Cubas, der Sierra Maestra. Die Pflanzungen, die von staatlichen und privaten Kooperativen bewirtschaftet werden, liegen in einer Höhe von 660-800 Metern; aus Geldmangel verzichten viele inzwischen auf den Einsatz chemischer Mittel. Die Bauern und Bäuerinnen bzw. Kooperativen verkaufen ihre Ernte zu einem garantierten Festpreis an eine regionale Sammelstelle mit angeschlossener Verarbeitungsanlage La Sierra Maestra, wo der Kaffee getrocknet, die Bohnen vom Silberhäutchen befreit und sortiert werden.
Das Rösten, Abfüllen und Verpacken für den Export übernimmt Kave Coffee von Cubaexport, der staatlichen Handelsorganisation.

Die Campesinos und Campesinas erhalten bei Abgabe des Kaffees an die Verarbeitungsanlage einen staatlich garantierten Festpreis: dieser bleibt auch bei Preisschwankungen auf dem Weltmarkt konstant; bei Preisverfall wird der Kaffee somit vom Staat subventioniert, bei Preisanstieg erhalten die Bauern und Bäuerinnen allerdings auch nicht mehr. Cubaexport errechnet den Preis wie folgt: Weltmarktpreis plus 2%, und über Kave Coffee gehen zusätzlich 3% an die nationale Kleinbauernvereinigung ANAP.

Die cubanische Regierung unternimmt große Anstrengungen, um eigene, erneuerbare elektrische Energie zu gewinnen, zumal der Atomkraft eine endgültige Absage erteilt wurde. Daher unterstützt auch das Cubita-Kaffeeprojekt das Spendenprojekt Palma Criolla.

Projekt Palma Criolla

Vor etwa 15 Jahren führte El Puente den cubanischen Kaffee Cubita ein. Um über die wirtschaftliche Unterstützung hinaus auch konkret etwas für die Menschen in der Anbauregion zu tun, wurde der Kaffee mit einem Spendenaufschlag für das Energieprojekt Palma Criolla versehen. Über Sol Cuba, eine deutsche Nichtregierungsorganisation, die in Zusammenarbeit mit verschiedenen cubanischen Einrichtungen bereits einige Solarprojekte aufgebaut hat, fließt das Geld nun in das Energieprojekt Palma Criolla. Seit Ende des Jahres 1996 stellen dort mehrere Solaranlagen die elektrische Versorgung der örtlichen Gesundheitsstation und der Sozialberatungsstelle sicher. Insgesamt profitieren rund 120 Familien, genaugenommen sind es 738 EinwohnerInnen, darunter 110 Kinder und mehr als 150 Ältere. Die Mehrheit der BewohnerInnen sind private oder genossenschaftliche Bauern und Bäuerinnen des Kaffeeanbaus, die anderen sind Waldarbeiter bzw. im Kaffeeanbau Beschäftigte mit meist niedrigem Einkommen.

Der Ort Palma Criolla liegt in der östlichen Provinz Granma, im Landkreis Bartolomé Masó, im Vorland der Sierra Maestra, 12 km vom nächst größeren Ort und 6 km vom öffentlichen Energieversorgungsnetz entfernt. Dieses Gebiet ist nur wenig erschlossen, Hauptzweig ist hier die Landwirtschaft. Lange Zeit war Landflucht ein großes Problem, doch durch den Aufbau von Schulen, Gesundheitsposten und anderen Einrichtungen hat sich die Lebenssituation in der Region deutlich verbessert. Besonders fatal ist der Elektrizitätsmangel für die Gesundheitsposten, da die meisten Medikamente ohne Kühlung verderben.

Cubasolar hat in Zusammenarbeit mit dem Consejo Popular und der Gesundheitsdirektion von Palma Criolla die gesamte Initiative ins Leben gerufen.

Orangen- und Grapefruitsaft

Fruchtsäfte aus cubanischen Früchten, angebaut unter menschenwürdigen Bedingungen, sind eine Alternative zu herkömmlichen Zitrussäften. Hierzulande bereits bekannt ist der Orangensaft, denn Hauptabnehmerin war einst die DDR. Nach dem Ausverkauf der DDR wurden die Abnahmeverträge nicht fortgeführt. In Cuba bemühen sich vermehrt multinationale Konzerne, ins Zirtusfruchtgeschäft einzusteigen.

Sämtliche Früchte Cubas werden in dem Verarbeitungskombinat Lola Fruit gepresst. Über ein automatisches Transportsystem gelangen die bereits vorsortierten und gewogenen Früchte in die Sortiermaschine, die sie je nach Größe zur passenden Presse weiterleitet. Es gibt 10 verschieden große Pressen, jede mit 5 Mulden für die Früchte. Die Verarbeitungsanlage, eine inzwischen modernisierte DDR-Anlage, arbeitet fast rund um die Uhr, um mögliche Verunreinigungen auszuschließen; lediglich alle 10 Stunden ist für 2 Stunden totale Pause. Der gepresste Saft gelangt nun durch Pipelines in eine Heizanlage, in der er bei etwa 50-60 °C erhitzt und zu Konzentrat verarbeitet wird. In 250-Kilo-Tanks wird dieses bei -18 °C bis zum Transport gelagert. Exportiert wird das Konzentrat; 1 kg Konzentrat ergibt später 4,7 l Orangensaft bzw. 4,3 l Grapefruitsaft. Es wird keinerlei Zucker zugesetzt.

Die belgische Alternativhandelsorganisation Oxfam Wereldwinkels, die den Import abwickelt, anfangs auch die Abfüllung übernahm, erhebt pro Liter Saft einen Aufschlag von 1 Cent zur Förderung spezieller Projekte in Cuba. Für die BRD hat El Puente einen Abfüllbetrieb beauftragt.

Ron de Cuba – Rum

Zuckerrohr ist eines der Hauptanbauprodukte Cubas. Der größte Teil kommt von staatlichen Ländereien, die von Kooperativen bewirtschaftet werden. Da cubanischer Rohrzucker auf dem Weltmarkt in starkem Konkurrenzkampf zu subventioniertem EU-Zucker steht, kommt gerade der Weiterverarbeitung, z.B. zu Rum, eine wichtige Bedeutung zu.

Rum entsteht durch Destillation gegorenen Zuckerrohrsaftes. Sein intensives Aroma erhält der Edelbranntwein durch einen hohen Gehalt an Estern und Säuren, bei braunem Rum macht sich darüberhinaus die Lagerung im Fass bemerkbar. Cuba ist berühmt für seinen Rum. Der Import qualitativ hochwertiger Sorten in die BRD wird allerdings durch bestehende Exklusivverträge behindert. Der Rum, hergestellt in staatlichen Verarbeitungsanlagen Cubas, wird von El Puente importiert.

Pfefferminz-Bonbons

Die Pfefferminzbonbons kommen über Confitel S.A., die Vermarktungs- und Exportgesellschaft der cubanischen Süßwarenindustrie Confitera.

Während Confitera Süßwaren für den heimischen Markt produziert, wurde für die Exportvermarktung mit ihren anderen Bestimmungen und Bedürfnissen Confitel eingerichtet, und zwar als cubanisch-russisches Joint venture: 53% der Anteile gehören Confitera, 47% sind russisches Kapital. Abnehmer der Süßwaren waren 30 Jahre lang ausschließlich die sozialistischen Handelspartner.

Confitera unterhält 9 Fabriken (Soft-Drinks, Kekse, Schokolade, Bonbons etc.) mit 60-140 Beschäftigten. Gearbeitet wird im Zweischicht-Betrieb, jeweils 8 Stunden von Montag bis Freitag. Insgesamt gibt es rund 1600 Beschäftigte, 60% sind Frauen.

Confitera/Confitel bietet den Beschäftigten gute Rahmenbedingungen, wie z.B.:

  • ein vergleichsweises hohes Einkommen
  • zusätzliche Ausgabe von Grundnahrungsmitteln (Reis, Kartoffeln, Gemüse und Milch) aus farmeigener Produktion
  • Betriebswohnungen
  • eigene Schulen
  • ständige ärztliche Versorgung
  • ständige Kontrolle der Arbeitsbedingungen zum Schutz der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz
  • monatliche Betriebsversammlungen
  • kostenfreie Benutzung eines Urlaubszentrums
  • regelmäßige Freizeitangebote an den Wochenenden
  • kostenfreie Fortbildungskurse in Buchhaltung, Sprachen, Technik und Marketing
  • Stipendien im In- und Ausland.